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Die Flugbahn der REXUS-Rakete

Roll-out der REXUS 9 Rakete
Typisches Flugprofil der REXUS Rakete

Wir möchten euch an dieser Stelle einen kurzen Überblick über den Ablauf des Countdowns und den Flug der REXUS 9 geben:

Der Countdown

Der Countdown beginnt offiziell bei T-2 Stunden, d.h. 2 Stunden vor dem Start. In den ersten Minuten wird das Startgebiet geräumt, die Kommunikationsverbindung gecheckt, und die Nutzlast (Servicemodul und Experimente) überprüft. Gleichzeitig startet im 40 km entfernten Kiruna der Bergungshelikopter Richtung Raketenbasis.  Ungefähr eine Stunde vor dem Start wird das Dach des Startgebäudes aufgeschoben und die Rakete in die aufrechte Startposition gebracht. Es folgen weitere Checks der Rakete und Systeme. Ab T-20 Minuten sind die Sicherungsventile von EXPLORE scharf geschaltet, das Experiment ist damit endgültig bereit für den Flug.

Eine Viertelstunde vor Start müssen alle Personen, die nicht unmittelbar am Start beteiligt sind, den erweiterten Sicherheitsbereich um die Startrampe verlassen haben. Auf der gesamten Raketenbasis darf sich ab diesem Zeitpunkt niemand mehr im Freien aufhalten.  Zehn Minuten vor dem Start erhöht sich die Spannung: Die Experimente auf der Rakete werden eingeschaltet, EXPLORE erwacht zum Leben und beginnt, uns Statusmeldungen zu schicken. Das ist für uns die Möglichkeit zu sehen, ob alles noch einwandfrei funktioniert. 

Drei Minuten vor dem Start werden die Kameras von EXPLORE eingeschaltet. Gleichzeitig wird die Stromversorgung, die bisher über eine externe „Nabelschnur“ vom Boden zur Rakete lief, auf die internen Batterien der REXUS 9 Rakete umgestellt. Ein weiterer wichtiger Schritt, denn eine eventuelle Spannungsschwankung könnte zu einem ungewollten Neustart des Mikrokontrollers von EXPLORE führen. Bei T- 25 Sekunden erteilt der ESRANGE Operations Officer die Startfreigabe. Bei T-5 Sekunden wird im sogenannten „Block House“ direkt an der Startrampe der Auslöser gedrückt. Dieser muss insgesamt 5 Sekunden gedrückt bleiben, damit der Auslöser der Rakete zündet. 

Der Flug

Bei T=0 Sekunden beginnt mit der Zündung und dem Abheben der Rakete der offizielle Flug. 1,3 Tonnen Schub katapultieren die Rakete mit knapp 20-facher Erdbeschleunigung in den Himmel über Lappland. 1,7 Sekunden nach dem Start verlässt die Rakete bereits das Sichtfeld der Launch Crew in der Bodenkontrollstation. EXPLORE verlässt sich jetzt nur noch auf die Daten, die von der Rakete zur Erde gesendet werden und die uns über den Status des Experiments Aufschluss geben. Nur 26 Sekunden nach dem Start sind die kompletten 290 kg Festtreibstoff der Rakete ausgebrannt. Zu diesem Zeitpunkt ist sie bereits rund 25 km hoch und damit mehr als doppelt so hoch wie ein Linienflugzeug bei einem Transatlantikflug. Mit über 1000 m pro Sekunde rast sie dem Weltraum entgegen. Nach dem Ausbrennen der Rakete bewegt sich die Rakete weiter nach oben, und wird dabei zunehmend langsamer, ähnlich einem Ball, den man in die Luft wirft. 

Während der ersten Phase des Aufstiegs dreht sich die Rakete um ihre Längsachse, um sie während des Flugs zu stabilisieren. 70 Sekunden nach dem Start wird diese Drehbewegung über ein spezielles System, das sogenannte Yo-Yo, verlangsamt. Die Rakete ist zu diesem Zeitpunkt bereits hoch genug, um die Bremswirkung der Restatmosphäre vernachlässigen zu können. Nachdem die Drehbewegung beendet ist, herrscht an Bord nahezu Schwerelosigkeit. 7 Sekunden später werden die Experimente und der Raketenmotor getrennt sowie die Nasenkappe abgesprengt. Kurz darauf startet EXPLORE mit dem Befüllen seiner Flüssigkeitstanks unter Schwerelosigkeit. 

139 Sekunden nach dem Start erreicht die Rakete ihren höchsten Punkt, das sogenannte Apogäum. Zu diesem Zeitpunkt wird unser Experiment bereits vier seiner sechs Kammern befüllt haben. In den folgenden Minuten, während die Rakete erst langsam, und dann immer schneller zurück Richtung Erde stürzt, werden noch eine Reihe anderer Experiment auf der Rakete durchgeführt. Schließlich wird die Atmosphäre beim Abstieg so dicht, dass sie anfängt, die Rakete abzubremsen. In 16 km Höhe unterschreitet sie dabei wieder die Schallgeschwindigkeit. 4,6 km über dem Boden werden die Fallschirmsysteme an Bord aktiviert, das Experiment wird stark abgebremst und schwebt sanft der Erde entgegen. 9 Minuten und 10 Sekunden nach dem Start werden an Bord von REXUS 9 die Kameras von EXPLORE abgeschaltet, und kurz darauf der Strom für alle Experimente gekappt. Einige hundert Meter über dem Boden aktiviert die Rakete ihr Ortungssystem, dass es der Bergungsmannschaft erleichtert, die Rakete in den verschneiten Weiten Nordschwedens zu orten. Nach der Landung von REXUS 9 steigt von ESRANGE aus der Bergungshelikopter auf, um unsere Experiment sicher zurück zur Basis zu bringen. Einige Stunden später haben wir dann Gewissheit, ob sich die harte Arbeit des letzten Jahres bezahlt gemacht hat.

Der Zeitablauf im Überblick

Zeit

Höhe (km)

Beschreibung

T-02H00M

0.332

Start des Countdowns

T-01H55M

Check der Kommunikationsverbindungen

T-01H54M

Überprüfen der Experimente

T-01H00M

Überprüfung der Experimente abgeschlossen

T-58M

Öffnen des Dachs und Aufrichten der Rakete

T-20M

REXUS 9 und EXPLORE Sicherungsventile scharf geschaltet

T-10M

Strom an, Experimente an

T-03M

EXPLORE Kameras an, Umschalten auf interne Stromversorgung

T 0

Start

T+26S

Brennschluss Improved Orion Raketenmotor

T+01M10S

59

Yo-Yo-Despin, Aufhebung der Drehbewegung der Rakete

T+01M27S

69

Start des Befüllvorgangs von EXPLORE

T+02M19S

82.3

Rakete erreicht höchsten Punkt (Apogäum)

T+02M35S

81

Ende des Befüllvorgangs von EXPLORE

4.6

Aktivierung des Fallschirmsystems

T+09M10S

EXPLORE Kameras aus

T+10M00S

Strom aus

Landung und Bergung